#138 Identität in Uniform – Der lange Marsch zu sich selbst

Shownotes

1985 trat Stabshauptmann Claudia Schalling in die Bundeswehr ein. Damals war sie noch ihre „Version 1.0“, wie sie selbst sagt. „Ich wusste immer, dass etwas anders ist, konnte es aber nicht anfassen, konnte es nicht begreifen“, sagte Schalling. Bis sie aussprechen konnte, dass sie transsexuell ist und als Frau leben möchte, hat es lange gedauert: „44 Jahre“, sagt sie. Schon als Kind merkte Schalling, dass sie anders ist als die Jungen in ihrem Alter. „Bei den Jungs im Sandkasten oder beim Fußball spielen fand ich es doof“, erzählt sie. „Ich war neidisch, wenn die Mädchen sich zurecht machen durften und ich nicht. Ich war neidisch, wenn sie zusammensaßen und mit ihren Püppchen spielten.“

Schalling lebte die ersten 44 Jahre ihres Lebens als Mann. „Ich ging zur Bundeswehr, war Ehemann und spielte die Rolle, die alle von mir erwarteten“, sagt Schalling. Sie versuchte so lange wie möglich die Fassade aufrecht zu erhalten. „Doch irgendwann ging das nicht mehr.“ Erst nach einem Zusammenbruch konnte Schalling das aussprechen, was sie schon ihr Leben lang fühlte: „Ich will als Frau leben.“ Danach war es „cool“, so Schalling. „Wie ein total stickiger, heißer Raum. Man macht das Fenster auf und es kommt zum ersten Mal frische Luft rein.“ Doch nach ihrem Outing wurde es für Schalling nicht leichter: An ihrer Dienststelle war sie mit vielen Vorurteilen konfrontiert und es wurden Gerüchte über sie verbreitet. „Bis ich schließlich gezwungen war, die Dienststelle zu wechseln“, erzählt Schalling. Frauen haben es eh schon schwer in der Bundeswehr. „Doch als Transgenderperson musste ich mich immer beweisen und immer noch mehr leisten als alle anderen“, so Schalling.

Im Podcast „Die Lage“ erzählt Stabshauptmann Claudia Schalling, warum sie schon immer anders war als die anderen, wie sie als Kind das Make-up ihrer Mutter benutzte und warum sie sich für den Namen „Claudia“ entschied.

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